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Rheingau-Taunus-Kreis 01. Februar 2010

Rheingauer kämpfen für den Erhalt der Geburtshilfestation am Krankenhaus Rüdesheim
Initiative „Junge-Eltern-Rheingau“ überreicht Landrat Burkhard Albers 7.000 Unterschriften / Gespräche mit Staatssekretärin Müller-Klepper und dem bischöflichen Ordinariat sollen folgen

Zirka 7.000 Unterschriften zum Erhalt der Geburtshilfestation am Krankenhaus St. Josef in Rüdesheim überreichten Angela Windecker, Gernot und Julia Bäumler und Johannes Hock, Mitglieder der Initiative „Junge-Eltern-Rheingau“ als Protest gegen die Schließung der Geburtshilfestation, Landrat Burkhard Albers. „Diese hohe Zahl an Unterschriften wurde innerhalb von vier Wochen gesammelt; viele Listen liegen im Rheingau noch aus“, betonte Hock. Das Thema lasse im Rheingau kaum jemanden kalt, der „Mobilisierungsgrad ist sehr hoch“, so Hock.


Die Initiative zum Erhalt der Geburtshilfestation am Rüdesheimer Krankenhaus (Gernot und Julia Bäumler, Angela Windecker und Johannes Hock überreichen Landrat Burkhard Albers die rund 7.000 Unterschriften. Die Tochter von Bäumlers wurde nicht mehr im Rheingau geboren, hat aber dafür zwölf Fahrten nach Wiesbaden vom errechneten Geburtstermin bis zur Geburt miterlebt. Rechts Dr. Karin Becker vom Lokalen Bündnis für Familien.

Die hohe Zahl der Unterschriften zeige auch, dass sich viele Rheingauer mit der Forderung der Initiative solidarisch erklären und für den Erhalt der Geburtshilfestation kämpfen. „Über die Schließung der Geburtshilfestation durch den Träger zum 18. Dezember 2009 wird sehr emotional diskutiert“, ergänzt Angela Windecker.

Landrat Albers dankte der Initiative, dass sie das Thema aufgegriffen und über 7.000 Menschen im Rheingau mobilisiert habe und in der Diskussion das Thema nicht polemisch angegangen sei. Weil Argumente im Vordergrund stehen, sieht Landrat Albers auch noch gute Chancen für eine Lösung, die den Erhalt der Geburtshilfestation zum Ziel hat. So verständigten sich Landrat Albers und die Mitglieder der Initiative darauf, Gespräche mit der Staatssekretärin im hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit Petra Müller-Klepper und dem bischöflichen Ordinariat zu führen, um nach praktikablen Lösungen zu suchen. Landrat Albers: „Dabei werden wir die Interessen der werdenden Mütter im Rheingau-Taunus-Kreis in den Mittelpunkt stellen.“

Landrat Burkhard Albers hatte zuvor noch einmal klar gestellt, dass er uneingeschränkt für die Geburtshilfestation eintritt. In einem zeitlichen Abriss machte er deutlich, ab wann er über das mögliche Aus für die Geburtshilfestation am Rüdesheimer Krankenhaus informiert war. Der Geschäftsführer der SCIVIAS Caritas gGmbH, Ullrich Wehe, habe ihn im Spätsommer von einer möglichen Schließung unterrichtet. In diesem Gespräch hatte der Landrat angeboten, dass es eine finanzielle Unterstützung durch den Kreis geben könnte.

„Ich war dann schon etwas enttäuscht, als ich von der Schließung zum 18. Dezember 2009 erfuhr“, betonte der Landrat. Für Albers ist auch nicht nachvollziehbar, dass das hessische Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit der Schließung mittlerweile zustimmte, obwohl das gleiche Ministerium unlängst erst 15 Millionen Euro aus Steuergeldern dem Träger des Krankenhauses für den neuen Anbau zur Verfügung stellte. Die Geburtshilfestation ist in diesem Anbau untergebracht und soll auf das Beste eingerichtet sein. Weshalb eine Wiedereröffnung auch jeder Zeit möglich ist.

Kritikpunkt der Initiative, so Hock, ist vor allem die Schließung als solche und die Art und Weise, wie dies durchgezogen wurde. So erhielten werdende Eltern am 4. Dezember einen Brief, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass sie in Rüdesheim ab dem 18. Dezember nicht mehr entbinden können. Zudem bemängelt die Initiative ein fehlendes Personalmanagement bei der Geschäftsführung der SCIVIAS Caritas gGmbH. Es wird auch nach der „sozialen Verantwortung der katholischen Kirche gefragt“, die werdenden Eltern im Rheingau nun zumutet, dass sie lange Wege bis zu den Krankenhäusern in Wiesbaden, Mainz und Koblenz zurücklegen müssen.

Hock: „Gerade gegenüber den jungen Müttern ist diese Entscheidung als vollkommen falsch zu bezeichnen.“ Vor allem auch weil das St. Josef-Krankenhaus bei Frauen, die dort entbunden haben, einen sehr guten Ruf genossen hat, so Angela Windecker. Was geschieht jetzt, wenn bei jungen Müttern Komplikationen vor oder nach der Entbindung auftreten? Die jungen Mütter müssten dann mehrmals bis in die Kliniken nach Mainz, Wiesbaden oder Koblenz fahren. Dies geht zu Lasten der Mutter-Kind-Beziehung, der anstehenden Geburt und Stillzeit, verursacht Stress und wird nicht dem Schutzbedürfnis von Mutter und Kind gerecht. Viele Familien können sich zudem die hohen Fahrtkosten nicht leisten. All diese sozialen Aspekten seien bei dem Votum der Trägergesellschaft nicht berücksichtigt worden, vermutet die Initiative.

Angela Windecker, die selbst Mutter zweier kleiner Kinder ist, weiß, dass die Geburtshilfestation wegen des persönlichen Rahmens, der Übersichtlichkeit und des freundlichen Umgangs bei schwangeren Frauen sehr beliebt war. „Es gilt die besondere Situation der Schwangerschaft und Geburt an sich und deren gesellschaftliche Bedeutung zu erkennen und zu begreifen. Auch sollten die betriebswirtschaftlichen Zahlen, die Höhe und Zweckbindung der Fördergelder hinterfragt werden. Immerhin handelt es sich um die letzte medizinische Geburtsstation im gesamten Landkreis, deren Ausbau und Erhalt zudem mit öffentlichen Geldern subventioniert und die mit einem vertraglichen Grundversorgungsauftrag für die Bevölkerung - 25 Planbetten in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe - fest verankert waren“, so Angela Windecker.

Eine Aussage, die Landrat Albers in den kommenden Gesprächen aufgreifen will. „Wir beklagen uns darüber, dass es immer weniger Geburten in unserem Land gibt, bauen aber gleichzeitig weitere Hindernisse auf“, betonte der Landrat. Zur Familienfreundlichkeit gehöre auch, dass ein Landkreis über eine Geburtshilfestation verfügt, die schnell zu erreichen ist und von kompetenten Ärzten geleitet wird. Dafür wird sich Burkhard Albers einsetzen.

 

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